Seitlpfeifer im Ausseerland

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Schützentänze

Ramsauer Seitlpfeifer
Sarsteinjodler – Schleuniger

Ischler Pfeifer
Schleuniger

Die Seitlpfeife ist eine hölzerne, klappenlose Querflöte mit sechs Grifflöchern und einem Mundloch. Gleiche Flöten wurden in der Militärmusik verwendet, die 1806 im österreichischen Heer abgschafft wurde. Seither wird die Seitlpfeife im Salzkammergut ausschließlich in der Volksmusik verwendet, wo sie sich einen hohen Stellenwert bewahrt hat.

Vor allem zu hören in der Schützenmusik in Verbindung mit einer Trommel, aber auch Jodler, Liedweisen usw. werden, meist zu Dritt, gerne gespielt.

Bereits Mitte des 19. Jahrhunderts wurden die Brüder Steinegger, bekannt als die Grundlseer Pfeiferlbuam, begleitet von Albin Schraml auf der Gitarre, nach Wien eingeladen. Sie musizierten dort bei „geselligen Zirkeln“ in den reichen Häusern Wiens. Ein Tagebuch dieser „Tournee“ existiert noch.

Der Pfeifertag

In den 1920ger Jahren wurden die Seitlpfeifer weniger und die Tradition lief Gefahr zu verschwinden. Leopold Khals, vulgo „Ischler Khals“, Bergmeister bei der Ausseer Saline, kam im Jahr 1925 auf die Idee, die letzten Pfeifer, Trommler und auch Maultrommler im Salzkammergut zu versammeln. Und so fand der erste Pfeifertag am 15. August 1925 auf der Blaa Alm statt. Dazu fanden sich ca. 15 Pfeifer ein, sie stammten alle aus dem steirischen und oberösterreichen Salzkammergut.

Die Teilnehmen bekamen vom „Pfeifervater“, dem Ischler Khals den Auftrag, junge Pfeifer anzulernen und im kommenden Jahr auf die Alm mitzunehmen. So wuchs die Zahl der Pfeifer stetig an.

Der Begriff „Pfeifervater“ ist bis heute gebräuchlich, Leopold Khals blieb es bis zu seinem Tod 1965. Sein Nachfolger, den er noch selbst bestimmte, wurde Alois Blamberger, der „Blon Lois“ aus Bad Ischl-Perneck. Dieser wiederum blieb es bis 1988, er bestimmte als seine Nachfolger Kurt und Thomas Simentschitsch aus Altaussee, die dieses „Amt“ bis heute ausführen.

Zur „Amtszeit“ vom Blon Lois drohte sich der Pfeifertag zu einem Musikantentreffen zu entwickeln, immer mehr Leute kamen als Besucher, der ursprüngliche Gedanke des Pfeifertages geriet ins wanken.

Lois war selbst nicht glücklich darüber, wußte jedoch auch nicht, wie man das Geschehen wieder in die rechten Bahnen lenken könnte.

Auf dem Pfeifertag im Jahr 1989, der auf der Mitterecker Alm bei Ebensee stattfand, erließen die Brüder Simentschitsch die Vorschrift, dass ab diesem Zeitpunkt der Vormittag bis 12 Uhr nur den Pfeifern, Trommlern und Maultrommlern gehören sollte. Diese Idee rettete den Pfeifertag, der nun jedes Jahr abwechselnd auf schönen Plätzen, bevorzugt Almen im gesamten Salzkammergut stattfindet.

Ein fixer Platz ist nur alle 5 Jahre zu jedem runden und halbrunden Jubiläum die Blaa Alm. Es werden seit den Anfängen Anwesenheitslisten geführt, in die sich alle Aktiven eintragen. Ebenso wird der Ort und das Wetter notiert, interessanterweise ist der Wettergott meistens gnädig…

Um 12 Uhr verkündet Pfeifervater Kurt Simentschitsch von einem erhöhten Platz in einem Gedicht wo der nächste Pfeifertag stattfinden wird. Mit einem gepfiffenen Jodler und in einer Gedenkminute wird den verstorbenen Pfeifern gedacht.

Bedeutung der Pfeifermusik im Jahreslauf

Vor allem in der Schützenmusik kommt der Seitlpfeife eine besonders große Bedeutung zu, die Tradition geht da bis ins 16. Jahrhundert zurück. Die älteste urkundlich erwähnte Schießstatt befindet sich in Eselsbach bei Bad Aussee, bereits 1578 wurde dort neben dem Schießen aufmusiziert. Ebenso in der 500 Jahre alten Schießstatt in Altaussee.

Seitlpfeifer und Trommler sind seit damals bei den Abschlussschiessen, Schützenumzügen, Preisverteilungen usw. traditionell dabei. Es werden die Schützenmärsche wie auch die übrige Schützenmusik mit 2 Pfeifen und Trommel gespielt. Schützentänze werden im 5/8 Takt gespielt, er ist eine Besonderheit.

Steirer und Landler werden von zwei bis 3 Pfeifern gespielt, gerne auch Jodler, Walzer, Polka und Schottische.

Informationen aus dem Buch „Volksmusik im Sazkammergut“ von Sandra Galatz
Zusammenfassung, Fotos und Hörproben von Heidi Simentschitsch.

Mein besonderer Dank gilt Frau Sandra Galatz.
Eines Ihrer Bücher „Bräuche im Salzkammergut, gelebte Tradition im Jahreskreis“ kann ich jeden Brauchtumsinteressenten sehr empfehlen. ISBN 978-3-7025-0948-4.
Für Interessierte der Pfeifergeschichte empfehle ich ein weiters Buch von Sandra Galatz.
„Volksmusik im Salzkammergut: Der Pfeifertag“ ISBN-10‏ : ‎ 3901838481, ISBN-13‏ : ‎ 978-3901838484

Zuletzt möchte ich mich noch bei der Heidi Simentschitsch bedanken, ohne Ihrer Unterstützung könnte ich „ausseerlond.com“ nicht in dieser Form betreiben.

Bresl Sepp 2021.

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