Rauhnächte – die wilde Jagd

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A Gru Nebel am Grundlsee 01

Die Rauhnächte selbst haben heidnisch- keltische und normannische Wurzeln. Selbst die Römer hatten um die Zeit der Wintersonnenwende bereits Rituale der Opferung, Weissagung und Besänftigung.
Letztendlich wurzelt auch die wilde Jagd bei den Kelten, welche durch Rituale den Gott der kalten Winterstürme besänftigen wollten. Ebenfalls wie bei den Krampussen war der katholischen Kirche jeder heidnische Brauch ein Dorn im Auge. Aber selbst mit schweren Strafen bedrohte Verbote konnten den Aberglauben der Menschen nicht beseitigen.
Ein Spiel zwischen Gut und Böse, Licht und Finsternis, eine Zeit wo das Tor zur Totenwelt offensteht. Geisterzeit.
Vor allem im Alpenraum bis in den hohen Norden werden auch heute noch zahlreiche Rituale durchgeführt, allerdings sind die Protagonisten und Durchführungsvarianten sehr vielfältig.
Ich konzentriere mich auf den Raum des Steirischen Salzkammergutes.
Es gibt 12 Rauhnächte – die heiligen Zwölften.
Ihr zeitlicher Beginn und auch deren Ende variieren. In manchen Gegenden von der Thomasnacht bis 2. Jannuar, in anderen Bereichen vom Christtag bis zum Dreikönigstag. Bezügliche des Brauchtums im Ausseerland werde ich die vier wichtigsten Rauhnächte näher betrachten.

Warum gibt es Rauhnachtsbräuche, welche Bedeutung haben sie?
Hier kommt die wilde Jagd ins Spiel.
Im Ausseer Diaüjekt wird bzw. wurde sie als „Wüd´s Gjoad“ bezeichnet.
Mit diesem Jagdzug ziehen die Seelen der zu früh Verstorbenen mit. Frauen, Männer und Kinder aber auch Hunde und Pferde, welche entweder durch Mord, Unfälle und Krankheit zu früh abberufen wurden.
Wem die wilde Jagd begegnet, der soll tunlichst flüchten oder sich ehrfürchtig niederknien und beten, er könnte sonst mitgezogen werden. Es gibt auch Überlieferungen, wonach man sich flach auf den Boden legen und Arme und Beine kreuzen soll.
Die Hauptfiguren reichen von Odin bis zur Frau Holle (Nordeuropa) Waud mit Gaul und Waudlhunden (Bayern) und Percht (gesamter Alpenraum).

Ich denke, Odin wurde im Ausseerland noch nicht gesichtet aber der Percht.
Und da wären wir schon bei der ersten Abweichung.
In deutschen und österreichischen Alpenregionen sind nicht nur die Krampusse (ebenfalls ein heidnischer Brauch der Kelten – Krampus – Krampen – verdorrt) ab Anfang Dezember unterwegs, sondern auch die Perchten (Perchtenläufe).
Man sollte diese als „Vorperchtenläufe“ bezeichnen.
Da Percht ja mit der wilden Horde zu den Rauhnächten erstmals zieht, kann er zum frühestmöglichen Zeitpunkt in der Thomasnacht (21.12.) das erste Mal in Erscheinung treten.
Nun zur wilden Jagd selbst.
Die wilde Horde, die wilde Jagd, der wilde Zug.

Primär geht es um Krieg, Tod, Verderben und persönliche Qualen aber auch um eine gute Ernte, Glück, Reichtum und Gesundheit.
Es galt und gilt auch heute noch, sich vor dem herannahenden Unheil zu schützen. Mehr darüber in den Artikeln der 4 Rauhnächte.
Eine bemerkenswerte Überlieferung ist, dass der Schimmelreiter (oftmals Odin selbst) als Warner in Erscheinung tritt. Er kündigt die Ankunft der Horde mit den Worten, HO HO HO-aus dem Weg, damit kein Unglück g´scheht, an.
Nun ja, dieses HO HO HO kennen wir doch oder nicht?
Die Wilde Jagd steht aber auch für Fruchtbarkeit. Die Menschen hatte Angst vor Mißernten im kommenden Jahr. Daraus entwickelte sich ein Opferkult welcher heute nur mehr in wenigen Gegenden Europas praktiziert wird. Dem Waudl mit seinem Waudlgaul und den Waudlhunden wurde oder werden in Teilen Bayerns beim Erntedankfest (Waudlfest) Nahrung in Form von Brot, Bier und Weizenähren geopfert.

In der Angst vor Tod und Verderben aber auch in der Hoffnung wurzeln die zahlreichen regional unterschiedlichen Bräuche.
In den Rauhnächten – Losnächten wird neben den Beschwichtigungsbräuchen, Schutzbräuchen auch versucht, einen Blick in die Zukunft zu werfen. Es gibt zahlreiche Orakelbräuche, wobei im Ausseerland nur wenige davon auch noch heutzutage gepflogen werden.
In den folgenden Artikeln werde ich versuchen, genügend Informationen der vier wichtigsten Rauhnächte zusammenzutragen.
Warum keine Wäscheleine gespannt sein darf, warum keine weiße Wäsche am Dachboden hängen darf, warum man die Tiere nicht belauschen sollte etc…
21.12. Thomasnacht.
24.12. Christnacht.
31.12. Silvester.
05.01. Dreikönigsrauhnacht.

Quellverweis:
Otto Höfler: Der germanische Totenkult und die Sage vom wilden Heer.
Yannik Behme: Frau Holda Waldina die wilde Jägerin. (Fr. Holle).
Theodor Körner: Die wilde Jagd.
Jan de Vries: Altgermanische Religionsgeschichte.
Aber vor allem die Aussagen der Bewohner des Ausseerlandes.

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